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SieBorg SieBorg ist männlich
Kassettenkofferbesitzer


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zu "Tintenkiller oder der Mörder ist immer der Erzähler" Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Nach der kleinen Eskalation im Gästebuch habe ich mich einmal mit dem „Tintenkiller“ beschäftigt.
Ich hatte überlegt das Folgende ins Gästbuch zu setzen, es dann aber verworfen, weil es nur ein Gästebuch ist, bei dem ich nicht erwarten kann, dass sich der Besucher wirklich mit den Hörspielen beschäftigen will.

Es beginnt als schlechter Krimi, was, wie wir später durch den Erzähler der Geschichte indirekt schließen können, vom Verfasser Markus Keiner-Rockenbach beabsichtigt ist.
Der Hörer wird mitten in eine Situation geworfen, die eine Vorgeschichte hat, welche zwar angedeutet wird, aber aufkommende Fragen nicht beantwortet.
Warum beispielsweise erschießt der Tintenkiller seinen „Freund“? Das es um eine Festplatte geht, ist zwar klar, aber ihre Bedeutung bleibt ungeklärt.
Auch das eigentliche Verhältnis zwischen dem Opfer und dem Täter wird – in meinen Augen – nicht geklärt, was für mich darin begründet liegt, das ich die emotionale Stimmung der Sprecher nicht deuten kann. Der Erzähler ist in diesem Falle auch keine Hilfe, da er lediglich die Situation von außen beschreibt und nicht die wahren Gefühle der Figuren wiedergibt. Wir werden nur von Gegebenheiten in Kenntnis gesetzt.
Und dann passiert etwas, womit der Erzähler der Geschichte nicht gerechnet hat.
Der Tintenkiller hört ihn.
Es gibt übrigens mehrere Stellen, an denen dieses Ereignis stattfinden kann, je nachdem wie abgebrüht unser Tintenkiller ist. Offensichtlich scheint es, als der Tintenkiller die Wohnungstür wieder schließt. Sicher ist es allerdings erst am Schlafzimmerschrank, da hier – für mich – der erste Hinweis fällt, dass das „Skript“ verlassen wird.
Spannend finde ich an dieser Stelle darüber nachzudenken, was „Tintenkillers hören des Erzählers“ für diese Beiden bedeutet.
Für den Tintenkiller ist in meiner Interpretation – im Gegensatz zur Inhaltsangabe - nur eine weitere Figur aufgetreten, nämlich der liebenswürdige Spinner, der an der Realität der Situation nicht glaubt, dessen Unsichtbarkeit durchaus für dunkle Geschäfte nützlich sein kann und den man nun mal so nehmen muss, wie er eben ist.
Für den Erzähler - wenn man das Rascheln der Papiere berücksichtigt evtl. sogar den Sprecher des Erzählers der Geschichte - passiert weitaus mehr. Er wird aus seiner Realität gerissen und muss mit der neuen Situation erst lernen umzugehen.
Wenn man sich tatsächlich den Sprecher vorstellt, der beim Einsprechen des Erzähler-Textes vor einem Mikrofon sitzt und plötzlich Bilder in seinem Kopf von der Situation, die er gerade beschreibt, entstehen, er darin den Tintenkiller sieht, der auf seine Stimme reagiert, kann man sich vorstellen, das seine Gelassenheit nur gespielt ist und er tatsächlich darum ringt mit diesem neuen Wahrnehmungszustand klar zu kommen.
Allerdings bringt mich das Hörspiel alleine nicht zu dieser Sichtweise.

Meine Hörgewohnheiten und meine persönliche Wahrnehmung verhindern, das mich das Hörspiel „Tintenkiller“ als solches fesselt. An kaum einer Stelle kann ich die Reaktionen der Figuren intuitiv nachvollziehen. Für mich bleiben beim Hören alle Figuren für sich und agieren nicht miteinander. Darum habe ich auch keinen Spannungsbogen und mir entgeht eine evtl. vorhandene Pointe.
Erst durch mehrmaliges Hören und dem Versuch, es zu verstehen, gewinnt das Hörspiel für mich an Bedeutung. Worum es eigentlich geht, verstehe ich an dieser Stelle noch nicht.
Und so ziehe ich mal den Titel des Hörspieles hervor:

„Tintenkiller
oder
Der Mörder ist immer der Erzähler“


Man kann wohl sagen, dass ein Autor sehr wohl über seinen Titel nachdenkt und so stellt sich mir die Frage, wer der Tintenkiller und wer der Erzähler ist, von dem im Titel die Rede ist.
Im Text des Hörspiels selber finde ich keinen Bezug auf Tinte die verwischt wird. Ob der „kleine Mann“ „Tinte“ genannt wird, weiß ich nicht. Der Erzäler im Hörspiel tötet zwar den „kleinen Mann“ in dem er den Stirnschuß benennt aber auch hier fehlt der Bezug auf Tinte.
Der einzige, der bei dieser Geschichte Tinte vergossen hat, ist der Autor, der durch das Niederschreiben dieser Erzählung Tinte verbraucht hat.
Mit dem Spruch „dieses Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist“ können alle sicherlich etwas anfangen und so ist der Tintenkiller gefunden.
Es sind die Autoren, die Fließbandarbeit abliefern, die keine originellen Ideen, die eben nur das „Übliche“ abliefern. Es geht um schlecht geschriebene Romane, von denen man sich fragt, warum die in ihm befindlichen Figuren nicht schreiend davon laufen. Diese Möglichkeit bietet Markus Keiner-Rockenbach in seinem Hörspiel.

Soviel zu meinen Überlegungen.

Konntet ihr mir folgen? Oder braucht es noch mehr Erklärungen?
Was halten ihr vom „Tintenkiller“?

02 Apr, 2016 11:50 43 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
der Flüsterer der Flüsterer ist männlich
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Dabei seit: 20 Sep, 2008
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Hallo SieBorg,

erst einmal freut es mich sehr, dass hier, nach einiger Zeit, mal wieder eines unserer Hörspiele ausführlich besprochen wird.
Vielleicht geschieht dies ja auch mal wieder häufiger.

Zum "Tintenkiller". Ich sehe es so, dass es in diesem kurzen Hörspiel nicht darum ging, irgendeine große, noch nie dagewesene,
Geschichte zu erzählen (was ohnehin schier unmöglich ist), sondern eher um den Aha-Effekt, die doppelte Ebene dieses
experimentellen Stückes. Das die 4. Wand durchbrochen wird ist eben immer noch etwas besonderes. Ich selbst mag diesen
Effekt sehr (aktuell z.B. in der Serie "House of cards" immer wieder sehr schön inszeniert) und beim "Tintenkiller" geschieht
dies auch noch zur völligen Überraschung einer der Hauptfiguren des Hörspiels, eben weil dies weitreichende Folgen für ihn hat/haben könnte.
Das hat ja durchaus eine tiefe Ebene, nach dem Motto: was, wenn wir alle nur ausgedachte Figuren in einem riesigen, für uns nicht
zu erahnenden, Hörspiel sind? smile

Lg,
der Flüsterer / Philip

03 Apr, 2016 09:25 33 der Flüsterer ist offline Email an der Flüsterer senden Beiträge von der Flüsterer suchen Nehmen Sie der Flüsterer in Ihre Freundesliste auf
SieBorg SieBorg ist männlich
Kassettenkofferbesitzer


Dabei seit: 13 Mar, 2016
Beiträge: 34

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Hmmm.... und wenn ich jetzt noch schreibe, dass es Anzeichen dafür gibt, dass das Hörspielskript von den Figuren überhaupt nicht verlassen wird? - An welcher Stelle sagt der Erzähler, das der große Mann ihn ganz durcheinander bringt? Und wenn das Skript nicht verlassen wird, wo wird dann die vierte Wand durchbrochen? Frech großes Grinsen

Ich glaube, das ist meine Herangehensweise mich auf ein Stück vorzubereiten.
Ich muss Spaß haben, mich mit dem Text auseinander zu setzen. Und das schließt das Rumspielen mit ihm mit ein. Ob dies immer im Sinne des Autors ist, ist erst einmal egal. Was ist schlimm daran, eine andere Interpretation eines Stückes zu finden? Darüber regen sich meist nur die Erben, nicht die Autoren selbst auf.

04 Apr, 2016 17:04 43 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
SieBorg SieBorg ist männlich
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...die 4.Wand wird für den Hörer trotzdem durchbrochen,
Aber durch das herumspielen/ herumspinnen kann ich mir eine Situation/Haltung für die jeweilige Figur vorstellen, die ich als Schauspieler spielen kann.

Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von SieBorg am 05 Apr, 2016 05:16 41.

05 Apr, 2016 05:01 02 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
markuskeiro markuskeiro ist männlich
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Tintenkiller Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Guten Morgen ihr Beiden! SieBorg: dir ganz vielen Dank für deine intensive Auseinandersetzung mit meinem Hörspiel. Ich halte es so: Kunst liegt im Auge, im Ohr und im Herzen des Betrachters, des Zuhörers und des sich Hineinfühlenden. Daher ist es garnicht so sehr die Frage, was meine Intention für das Stück war, sondern das, was es bei dir und anderen auslöst. Ehrlich gesagt, habe ich mir beim Schreiben zunächst überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was genau ich da verfasse, sondern meinen kreativen Strom fließen lassen. Zum meiner Verteidigung..lacht.. muss ich sagen, dass das Skript in seinen Grundzügen in den Tagen nach einer Operation entstand und ich noch unter Drogeneinfluss war..., aber bei näherer Betrachtung im anschließenden nüchternen Zustand wurde mir natürlich klarer, um was es hier ging und ich habe die Story dementsprechend überarbeitet. Und ich muss sagen: ihr habt beide Recht, es ist eine Kritik an der Massenware, dem Erwartbaren und gleichzeitig ein Spiel mit der 4. Ebene. Und ein Erfolg ist es für mich jetzt schon, weil ich euch auf eure Weise damit auseinandersetzt. Ich kann noch soviel sagen, es hat auch einfach viel Freude gemacht, sich mit dem Absurden auseinanderzusetzen und "blöde" Wortspiele aneinanderzureihen. Ich freue mich auf mehr und sende liebe Grüße, Markus Keiner-Rockenbach (Autor des Tintenkillers)

07 Apr, 2016 09:32 48 markuskeiro ist offline Email an markuskeiro senden Homepage von markuskeiro Beiträge von markuskeiro suchen Nehmen Sie markuskeiro in Ihre Freundesliste auf
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Herzlichen Dank für deine Rückmeldung Markus Keiner-Rockenbach.

Ich freue mich sehr, dass du dich hier zur Wort gemeldet hast. Und ich finde es Interessant, dass du erklärst, dass du dir - zunächst- keine Gedanken beim Schreiben gemacht hast....ich denke da immer an "Die dispensorische Erziehungstheorie". Ich glaube, dass es unmöglich ist, etwas bedeutungsloses zu schreiben, da man es immer bedeutungsvoll interpretieren kann. Und wie oft haben wir unser Lieblingsbuch gelesen und finden immer neue Facetten....
Liebe Grüße
vom SieBorg

07 Apr, 2016 19:43 24 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
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Frage an den Autor vom "Tintenkiller" Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

@ markuskeiro:
Was mich interessieren würde, ist, ob ich mit meinem Fazit zum Titel "Tintenkiller" zumindest eine deiner Interpretation dazu getroffen habe.
Für mich ist es mittlerweile so klar, dass damit die "schlechten Autoren" bezeichnet werden, dass ich auf keine andere Interpretation mehr komme.

Auch würde mich interessieren in wie weit du mit der Umsetzung deines Skriptes als Hörspiel zufrieden bist.
Mit der Umsetzung habe ich nämlich so meine Schwierigkeiten, weil meine Hörgewohnheiten etwas anderes erwartet haben.
Welchen Aspekt deiner Geschichte hättest du gerne hervorgehoben (oder wurde hervorgehoben und ich habe es nicht wargenommen)?
Den - für mich - wird keinem Aspekt des Skriptes im Hörspiel eine besondere Bedeutung beigemessen. (Womit ich mir selbst erklärt habe, was ich erwartet hätte.)

13 Apr, 2016 16:47 35 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
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Nachtrag zu meinen Hörgewohnheiten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von SieBorg
Meine Hörgewohnheiten und meine persönliche Wahrnehmung verhindern, das mich das Hörspiel „Tintenkiller“ als solches fesselt. An kaum einer Stelle kann ich die Reaktionen der Figuren intuitiv nachvollziehen. Für mich bleiben beim Hören alle Figuren für sich und agieren nicht miteinander


Nach dem ich heute den "Tintenkiller" noch einmal gehört habe, muss ich sagen, dass sich meine Hörgewohnheiten geändert haben Mittlerweile höre ich das Zusammenspiel der Figuren und auch der Bruch ist für mich mittlerweile deutlicher.
Mich überrascht das insofern nicht, weil ich für mich feststellen konnte, wie sehr die Wahrnehmung vom Blickwinkel abhängig ist und mein Blickwinkel hat sich geändert. Überrascht hat mich trotzdem, dass sich Tintenkiller für mich heute einfach anders als die vielen Male davor angehört hat.

17 Apr, 2016 16:31 36 SieBorg ist offline Email an SieBorg senden Beiträge von SieBorg suchen Nehmen Sie SieBorg in Ihre Freundesliste auf
 
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